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"Opfert ein liebender Gott seinen Sohn? - Zur Deutung des Kreuzestodes Jesu"

Der Film von Mel Gibson (Regie) über "Die Passion Christi" (2004) deutet das Leiden des Jesus von Nazareth als stellvertretendes Blut- und Sühneopfer. Ein über die Sünde der Menschen zürnender Gott, richtet stellvertretend seinen eigenen Sohn. Diese Deutung, die erstmals Anselm von Canterbury im 12. Jahrhundert pointiert vertrat, ist auch aus biblischen und theologischen Gründen zu kritisieren - ohne den Gedanken des Opfertodes im Sinne der Lebenshingabe aus Liebe aufzugeben. Wir sagen Ihnen warum.


Stand: 14.09.2017

 

Die Gewalt beherrscht alles - "Die Passion Christi" in deutschen Kinos
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will den Film „The Passion of the Christ“ (2004) weder empfehlen noch skandalisieren. Dem Film des Australiers Mel Gibson fehle theologische Tiefe, teilt das Kirchenamt der EKD in einem Schreiben an die Gliedkirchen mit. Lesen Sie mehr. (Kirchenstimmen, Rezensionen et. - Eine Seite der EKD)

"Jesus, Jack und Rose"/ Von Johannes Taig
(Frankenpost vom 13. März 2012)
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Zur Deutung des Kreuzestodes Jesu
 
Offen gestanden: Er widert mich inzwischen nur noch an - dieser zeitgeistbeflissene Dünkel all jener Theologinnen und Theologen, die dem Kreuzestod Jesu den überlieferten Tiefensinn rationalistisch absprechen. Dieses arrogante Kaputtreden der überkommenen Heilsbotschaft, das sich über den Glauben der Väter und Mütter der letzten beiden Jahrtausende so erhaben dünkt, dass es ihn nur noch verabschieden möchte. Dieses Kokettieren mit der intellektuellen Redlichkeit, die Andersdenkenden in Theologie und Kirche zumindest indirekt abgesprochen wird, aber mit merkwürdigen Alternativen zum Ganz- und Heilwerden des Menschen oft kompatibel genug zu sein scheint.
Dieses doktrinäre Drängen nach Entmythologisierung ohne hinreichende Anzeichen dafür, die Sinn-Dimension des angeblich zu Streichenden überhaupt angemessen erfasst und durchdrungen zu haben. Solcher Mangel wäre so lange keine Schuld, als er eine Ahnung von sich selbst hätte. Weil er sich aber verkennt und für lauter Fülle hält, deren Köstlichkeit er auch anderen aufzudrängen habe, darum wird er schuldig an dem Glauben, den er kraftspendend weiterzugeben hätte, schuldig an der Kirche, deren Kerntradition er leichtsinnig verrät, ja, schuldig am Gekreuzigten, dessen Lebenshingabe er nicht mehr nötig zu haben meint. (Werner Thiede, "Widerwärtiger Dünkel", Zeitzeichen Nr. 4/2010, S. 45)
 

Zur Frage der Passions-Theologie heute

VON HERMANN EBERHARDT

Auslöser meiner Untersuchung zum Verständnis der Kreuzes Christi war das entschiedene Empfinden des Ungenügens der überkommenen Sühnopfer-Theologie. Die dieser Theologie zugrunde liegende Vorstellung eines blutigen Opfers zur Versöhnung Gottes mit dem Menschen sowie die Bildrede von Christus als Opferlamm Gottes entstammen einer archaischen Vorstellungswelt und einer Denkweise, die nur im Stande völliger Regression einfach übernehmbar ist. Was ist das für ein Gott, der gesetzlichen Handlungszwängen unterliegt und eines Menschenopfers bedarf, um gegenüber seinen Geschöpfen Gnade walten lassen zu können? Welch passives Menschenbild vermittelt die Vorstellung von einem durch Gott selbst inszenierten Opfervollzug! Das in der Bibel abgebildete Beziehungsdrama Gott-Mensch lässt sich nur unter Verlust nachvollziehbarer Lebendigkeit auf den Leisten der Sühnopfertheologie schlagen. In der Passionsgeschichte Jesu nur ein Geschehen dem Sünder zugute zu sehen, heißt, den lebendigen Sünder in Aktion auszublenden und das Selbstverständnis des Menschen als Sünder von der Annahme einer Lehraussage abhängig zu machen. Dass dies nicht sein muss, wird in dem Augenblick deutlich, in dem die biblischen Texte selbst sprechen und Sünde konsequent als Beziehungsphänomen begriffen wird.

Evangelischen Prinzipien der Schriftauslegung folgend ging ich zunächst den Zeugnissen von Jesu eigenem Passionsverständnis nach und fand es in der Prophetie Deuterojesajas vom Gottesknecht vorgebildet. Jesu Lebenswerk ist demnach als Dienst der Vergegenwärtigung der Nähe Gottes und der Überwindung der Gottesferne zu verstehen. Dass er im Zuge dieses Dienstes sein Leben hingeben muss, liegt in der Dynamik der gestörten Gottesbeziehung des vorfindlichen Menschen. Natürlich kann die Lebenshingabe Jesu als "Opfer" gefasst werden. Dieses Lebensopfer im Sinne eines rituellen Opfervollzugs zu verstehen, ist indes keineswegs zwingend, ja widerspricht ursprünglichem neutestamentlichem Verständnis. Sicher erscheinen im Neuen Testament mancherlei Formeln, die ihren originalen Sitz im Leben vertrauter Opfervollzüge haben. Doch die direkte und in mancherlei Hinsicht fragwürdige Verknüpfung von Christi Werk und blutigem Opferritual bleibt der situationsbedingten Argumentation des Hebräerbriefes vorbehalten, steht eindeutig im Dienst einer kurzlebigen Warnung vor dem Abfall und erweist sich nicht nur deshalb aus heutiger Sicht als theologische Sackgasse.

Über die Deutung des Kreuzes als Sühnopfer erscheint die Botschaft Jesu von der Nähe Gottes und sein konsequenter Einsatz für diese dem unmittelbaren Beziehungserleben entnommen und gesetzlichen Bedingungen unterworfen, die letztlich auch Gottes Gnade keine freie Gnade mehr sein lassen. Die Vorstellung, dass Gott des Sühnopfers bedürfe, um gegenüber seinem Geschöpf gnädig sein zu können, zeichnet das "Ende des Gesetzes" in gesetzlichen Bahnen und verstellt so das eigentliche Paradox des Passionsgeschehens, ein Paradox, welches unmittelbar nur als Beziehungsparadox verstanden werden kann. Der Aufrichtung des Gesetzes durch den Menschen im Namen Gottes stellt Gott die Aufrichtung der Gnade im Namen des Lebens entgegen. Im Aufstand der Gottesferne siegt Gottes Nähe. Das Leiden Jesu Christi durch uns ist Leiden für uns.

Wo das Verständnis der Passion Christi nicht mehr von dogmatischen Vorgaben dominiert wird, lässt sich das Passionsgeschehen auch unmittelbar als Beziehungsgeschehen begreifen. Dass Sünde "Leben-in-Beziehung" verdirbt und gute Nähe lebenstüchtig macht, ist jedem erfahrungsfähigen Menschen zugänglich. Sich trotz offenkundigen und heimlichen Versagens durch Christus im Grunde des Lebens geborgen wissen zu dürfen, kann dem am ehesten von Verlassenheitsängsten umgetriebenen heutigen Menschen zum Trost werden.

Sicher kommen des Menschen Elend und seine Erlösung heute über einfache Beziehungsparameter treffender zur Sprache als über das letztlich gesetzliche Paradigma vom Sühnopfer. Die Vorstellung vom Sühnopfer entbehrt heute nicht nur jeder lebensnahen Anschaulichkeit, sie hat, wie die Untersuchung zeigte, auch keinen evangelischen Grund in der Schrift.

Noch ein Letztes sei darüber hinaus kritisch angemerkt und mag zugleich andeuten, dass im Zusammenhang der Frage nach einem angemessenen Passionsverständnis noch viel Aufräumarbeit wartet. Das Sühnopfer-Paradigma erscheint mir nicht nur nach Schriftbefund höchst fragwürdig, sondern auch seelsorgerlich bzw. pastoralpsychologisch sehr bedenklich. Hier verstellen abstrakte Vorgaben das unmittelbare Verständnis der Passionsgeschichte und damit die Möglichkeit, sich selbst – wie etwa Jesaja in seiner Rede vom Gottesknecht – in die Passionsgeschichte direkt verwickelt zu finden. Das Dogma verhaftet mich als "Sünder", hält mich zugleich aber aus dem konkreten Passionsgeschehen heraus. Ausgestattet mit diffusen Schuldgefühlen kann ich im Stande des bloßen Nutznießers nur nachsprechen, was man mir sagt, nicht aber zu eigenständigem Urteil kommen. Wer ich bin und was gut für mich ist, weiß das Dogma – nicht ich selbst. So bequem die im Dogma überkommene Entmündigung sein mag, so abhängig lässt sie mich werden. Aus dem Sühnopferkonzept leitet sich Kirche als Verwalterin des von Christus erworbenen Heils ab. Wo immer es um die Entwicklung mündigen Glaubens geht, steht eine Auseinandersetzung auch mit den Folgen der Sühnopfervorstellung obenan.

Lesen Sie hier den gesamten Aufsatz von Hermann Eberhardt
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"Zum ersten: Nach dem, was Jesus von Gott-Vater etwa mit dem Gleichnis vom "Verlorenen Sohn" (Lk 15,11ff.) vermittelt, habe ich ein anderes Gottesbild als das eines in Rechts- bzw. Strafzwängen Verfangenen, der unbedingt ein "Sühnopfer" braucht.

Zum zweiten: Mag die Rede vom Opfer Jesu treffend und unumgänglich sein – im Verbund mit der Vorstellung von Opferlamm und Sühnopfer, will sagen: im Verein mit archaischen Bildern eines Opfervollzuges, wird die Passion Christi zu einem Bühnengeschehen, in dem dem Christen nur noch die Rolle des passiven Betrachters bzw. Nutznießers zuzukommen scheint. Doch was soll dann die ausführliche Schilderung der Passion mit all ihren Akteuren in den Evangelien?"
(Hermann Eberhardt)


"Das Kreuz ist nicht Fluch-, sondern Heilszeichen der Christen! Das allerdings erschließt sich freilich erst in der Wahrnehmung des ganzen Weges, den Jesus Christus den Menschen zugute gegangen ist und dessen zentrale Stationen (Geburt, Kreuz und Auferweckung) sich gegenseitig interpretieren. ...

Der christliche Glaube ist entgegen verbreiteter Praxis keine gottgläubige und allgemein versöhnungsselige Gefühligkeit, die offenbar leicht in ihr Gegenteil, eine mehr oder minder dumpf empfundene Feindseligkeit umschlagen kann ...

Der christliche Glaube ist ein Glaube, der weiß und versteht, woran er glaubt und der den Christen zur auch theologisch verantworteten Rechenschaft über seine zentralen Symbole befähigt (vgl. 1.Petrus 3,15)."
(Michael Korthaus)


"Es hängt mit Jesu Todesschrei zusammen, daß der christliche Glaube begründetes Gottvertrauen ist. Der heidnische Hauptmann nannte den so verstorbenen Menschen Gottes Sohn. Das heißt, daß Gott im Ereignis des Todes Jesu, also da, wo die Gottverlassenheit kulminierte, mit diesem Menschen eins geworden ist. Gott hat sich mit Jesus, mit diesem sterblichen Menschen, identifiziert, um so, in der Einheit mit diesem Toten, für alle sterblichen Menschen da zu sein.

Am Kreuz Jesu ereignet sich deshalb das Heil der Menschheit. Denn das ist Heil: daß Gott für uns da ist. Im gekreuzigten Jesus ist Gott für uns da, und zwar für immer. Deshalb lebt dieser Gekreuzigte, lebt er in einer unvergleichlichen Weise: mit Gott für uns.

Das ist mit »Auferstehung Jesu von den Toten« gemeint: daß Gott, der das ewige Leben in Person ist, sich ein für allemal mit dem Gekreuzigten identifiziert hat, um für uns da zu sein alle Tage bis an der Welt Ende. Da, obwohl man ihn nicht sieht. Aber er läßt von sich hören - in unseren menschlichen Worten nämlich, die von Jesus Christus reden. Der christliche Glaube glaubt also an einen menschlichen Gott. Diesseits und Jenseits, Immanenz und Transzendenz, Zeit und Ewigkeit sind für ihn keine Alternative. Der Glaube an Gottes Identität mit dem gekreuzigten Christus bedeutet vielmehr, daß Gott in seiner Göttlichkeit menschlich ist, daß er in seiner Ferne nah ist und sich uns Menschen zu ewiger Treue verbunden hat."
(Eberhard Jüngel)

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Opfert ein liebender Gott seinen Sohn?

VON WERNER H. RITTER

Insgesamt gesehen hat der christliche Glaube damit sehr wohl mit dem Opfermythos zu tun, aber er ist nicht nur ein Mythos, sondern ein komplexes Lebensangebot zum Deuten und Bestehen von Welt und unserer Lebensgeschichten angesichts von durchkreuzenden Lebenserfahrungen und Opfern. Er verheißt Lebensgewinn und Lebensdienlichkeit »pro nobis«, freilich nicht im ausschließlich zweckdienlichen oder utilitaristischen Sinn. Christi Opfer kann dabei in christlicher Religion heute in drei Erscheinungs- oder Ausdrucksformen (vgl. Gerd Theißen, Die Religion der ersten Christen, 2001, 28ff.) zur Darstellung kommen: im Mythos, Ritus und Ethos. Im mythisch-metaphorischen Erinnern und Erzählen des Opfers und entsprechender Lebensdeutung gewinnen wir neues Leben und neue Lebensqualität, weil wir von Belastendem erlöst werden können. In den Riten (als Konkretisierungen des Mythos) und Sakramenten Taufe und Abendmahl als wiederholbaren Mustern können Menschen den Alltag unterbrechen und die im Opfermythos gemeinte andere Wirklichkeit darstellen, sinnlich-gestalthaft begehen und damit temporär aus den Belastungen der Normalwelt aussteigen oder zumindest Distanz dazu bekommen. Im Ethos schließlich geht es um die Orientierung und Regelung des Verhaltens, das, wenn es durch die Opfermetaphorik bestimmt ist, das Lebensopfer ebenso umfasst wie die gegenseitige Hilfe und Hingabe, aber auch – potenziell – das Opfer des Märtyrers, der Märtyrerin.

Am Ende spricht vieles dafür, dass das Opfer dort, wo es keine religiöse oder zumindest lebensweltlich und/oder (popular-) kulturelle Artikulation mehr findet und so kein öffentliches Thema mehr ist, sich auf rein emotionale, unartikulierte Weise Luft macht oder gar seine zerstörerische Gewalt entfaltet. Die zahlreichen Selbstmordattentate der jüngsten Zeit könnten Anzeichen dafür sein. Das Opfer muss dargestellt und »begangen werden können, um gebannt zu werden« (Hans-Martin Gutmann). Die Aufgabe und die Chance christlichen Glaubens besteht in dem Zusammenhang darin, für das anthropologisch offensichtlich nicht übergehbare Opfer-Thema Expressions- und Gestaltungsmöglichkeiten anzubieten, welche alltägliche Opfer- und Gewaltmechanismen reduzieren und aufheben können. Ich denke, dass das ein für unsere Schülerinnen wirklich elementar notwendiges Thema ist, wobei das oben grundsätzlich Entfaltete jetzt natürlich noch didaktisch zu wenden und anzuwenden wäre. Dazu nur noch so viel: Im Erzählen von und Erinnern an die Hingabe Jesu, sodann im liturgischen und feiernden Begehen seines Opfers können Gewalt und Gewaltkreisläufe thematisiert werden, zur Sprache kommen und zumindest symbolisch unterbrochen werden. Gewalt muss nicht Gewalt gebären. Im ethischen Verhalten bzw. in ethischen Verhaltensmodellen kann schließlich zum Ausdruck kommen, dass zum Christsein das Dienen, das (Sich-) Hingeben konstitutiv gehört.

Lesen sie hier den gesamten Artikel (Deutsches Pfarrerblatt Nr. 3/2004)

 

 

"Liebende stehen füreinander ein und sind bereit, für den Anderen zu leiden und Opfer zu bringen, bis hin zum Lebens-Opfer. Dies macht es nötig, einen positiven Opferbegriff zu gewinnen, und zwar nicht allein aus Rücksicht auf die christliche Tradition, sondern aus grundsätzlichen anthropologischen Erwägungen heraus. Gutes Leben ist nämlich auf Dauer ohne den selbstlosen Einsatz für den Anderen, die Lebens-Hingabe an den Anderen nicht möglich. Wo es im Neuen Testament im Zusammenhang des Todes Christi um Opfer geht, ist nicht die Tötung und der Tod Jesu das Entscheidende, sondern das Motiv der Gabe bzw. Dahingabe Gottes oder Jesu Christi (vgl. Joh.3,16; 15,13)."
(Werner H. Ritter)

"Er musste sterben, weil die Welt so ist, wie sie ist. Weil das Menschenherz so ist, wie es ist. Weil die Macht des Bösen so ist, wie sie ist. Er sprach aus der großen Nähe zu Gott, in der er stand, zu den Menschen. Aber wir Menschen wollen einen Gott, der uns gar nicht so nah ist.
Er suchte aus seiner Nähe zu Gott die Nähe zu den Menschen und stand zu ihnen. Als es gefährlich wurde, entzog er sich nicht, sondern stand zu dem, was er gesagt und getan hatte. Mit seinem Tod besiegelte er: Was ich heute gesagt habe, gilt. Ihr braucht den Hass gegen Gott nicht festzuhalten. Ihr könnt euch mit Gott versöhnen. Dass es gilt: Dass Gott euch liebt, dafür sterbe ich."
(Jörg Zink)

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Opfertod Jesu - Exegetische Überlegungen zum Verständnis

Von Wolfgang Rülke

Seit unserem Studium vor dreißig Jahren stellt sich uns die Vorstellung, Gott müsse erst das Blut seines lieben Sohnes sehen, bevor er uns verzeihen könne, zu der Erfahrung quer, die sich durch die gesamte jesuanische Botschaft zieht, dass Gott der uns liebende "abba", Papa, ist, der seine Sonne aufgehen lässt über Böse und Gute und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte (Mt 5,45), dessen Liebe den Sünder zur Umkehr treibt.
Die nachstehenden Überlegungen verdanken sich Vorarbeiten für eine wissenschaftliche Untersuchung über Passah-Erwartungen zur Zeit Jesu und ihren eventuellen Einfluss auf das Passionsgeschehen. Sie können erklären, warum Jesus bewusst in den Tod ging, obwohl er Gott als den liebenden Vater erfuhr.

Lesen Sie den gesamten Artikel (Deutsches Pfarrerblatt Nr. 3/2003)

 

 

"... dass Gott dieses Opfer annahm, damit es fortan keine weiteren Opfer mehr gibt ... "
(Wolfgang Rülke)

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Im Blut ist das Leben!

Eine kritische Nachfrage nach der biblischen Begründung des theologischen Denkmusters vom »stellvertretenden Sühnetod«


VON MICHAEL RAU

Die Sühnetheologie der christlichen Dogmatiker aus alter und neuer Zeit wird durch die priesterschriftlichen Opfervorschriften des Alten Testaments nicht gestützt. Die Vorstellung, die mit dem Wort Sühne bezeichnet wird und damit auch die Vorstellung der stellvertretenden Übernahme von Schuld, ist diesen Texten vollkommen fremd.
Wenn es stimmt, was ich oben aufgezeigt habe, dann erscheint auf einmal »Blut« in der Bibel in völlig verändertem Licht. Abgesehen von der Formel »Blut vergießen« muss »Blut« für die Menschen der Bibel immens positive Assoziationen ausgelöst haben: Blut ist Leben, das Leben! In unserem Kulturkreis dagegen - und vor allem in der christlichen Sühnetheologie - wird Blut ganz selbstverständlich mit Tod assoziiert.
»Durch Christi Blut« wird verstanden: durch seinen Tod. Möglicherweise ist aber in der Bibel nahezu das Gegenteil gemeint: Durch sein Leben, durch das Leben Gottes, das in ihm war - und in ihm ist!
Freilich ist Jesus am Kreuz gestorben. Aber nicht sein Tod als Tod ist das Heilsereignis. Sondern das Heilsereignis ist, dass in ihm das Leben erschienen ist (Joh 1,4) und dass auch nach Jesu brutaler Ermordung sich das göttliche Leben nicht von den Menschen zurückgezogen, sondern sich erst recht verströmt hat.

Lesen Sie den gesamten Artikel (Deutsches Pfarrerblatt Nr. 3/2002)

 

 

 

"In der Auseinandersetzung um »Jesu Sühnetod am Kreuz« verläuft die Front nicht zwischen bibeltreuer und unbiblisch-liberaler Theologie, sondern die Bibel selber legt die Vermutung nahe, dass es sich beim theologischen Denkmuster vom »stellvertretenden Sühnetod« um ein Konstrukt nachbiblischer abendländischer Theologen handelt. Falls sich das bestätigen sollte, muss sich zeigen, welches Gewicht das Schriftprinzip (sola scriptura) in unseren reformatorischen Kirchen noch hat und inwieweit es sich gegen die Tradition durchsetzten kann." (Michael Rau)
 

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Hintergründe und Links

Weitere Artikel zum Film


Predigten zu Passion und Ostern

 

 

"Worauf es vielmehr ankäme, ist, dass die Theologie und Kirche sich hier ihrer Verantwortung bewusst werden und das Kreuz Christi so zur Sprache bringen, dass einem möglichen Missverständnis oder gar Missbrauch des Kreuzes Christi nicht etwa durch Kreuzesvergessenheit oder Kreuzesfeindschaft begegnet wird, sondern durch besseres, an der Bibel orientiertes Verstehen."
(Michael Korthaus)
 

 

"Jesus stirbt unseren Tod, den alltäglichen Tod eines Menschen; er wird in allem den Menschen gleich. Um diese Aussage geht es in dem „Gekreuzigt, gestorben und begraben“ des apostolischen Glaubensbekenntnisses: Jeder Mensch darf auch in der Tiefe des Todes der Nähe des barmherzigen Gottes gewiss sein."
(Walter Schmithals)
 

 

 

 

 

 

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