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Evangelische Schule - der Bildungsbeitrag der Evangelischen Kirche

In Hof hat zum Schuljahr 2004/2005 eine von der Evangelischen Kirche in Bayern (ELKB) anerkannte private Evangelische Volksschule ihren Unterricht aufgenommen, die sich in den letzten Jahren voll entwickelt hat. Auf dieser Seite geben wir einen Überblick über die Evangelischen Schulen und ihren Beitrag zum Bildungsgeschehen in Deutschland. Wussten Sie, dass es 941 Freie Evangelische Schulen gibt, die insgesamt 141.000 Schüler und Schülerinnen unterrichten? Die größte von ihnen ist die Wilhelm-Löhe-Schule in Nürnberg mit 1944 SchülerInnen.  Im September 2003 fand der Bundeskongress Evangelische Schule in Nürnberg unter dem Thema - „Gemeinsam Profil zeigen – Evangelische Schulen in der Bildungsdiskussion" statt.

 


Stand: 16.11.2016


Wir stellen Ihnen in Auszügen Texte und Vorträge vor zu den Themen:

 

"Das Evangelische an unseren Schulen und ihr Beitrag zur Bildungsdiskussion"/ Von Manfred Kock

"Evangelische Schulen orientieren Bildung am einzelnen Menschen und fördern zugleich eine Kultur der wechselseitigen Anerkennung", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, am Donnerstag, 25. September, in seinem Vortrag beim ersten "Bundeskongress Evangelische Schule", der am 25. und 26. September in Nürnberg stattfindet. Bildung und Erziehung würden an evangelischen Schulen immer auch Zuwendung und Annahme bedeuten.

Evangelische Schulen leisteten einen wesentlichen Beitrag für die Akzeptanz einer Solidargemeinschaft, die auf die Stärkung des Einzelnen ebenso wie auf verantwortlichen Umgang mit anderen angewiesen sei. "Die gegenwärtige Diskussion um den so genannten Generationenvertrag zeigt, wie wichtig die wechselseitige Verantwortung von Jung und Alt ist," sagte der Ratsvorsitzende. Mit ihrer pädagogischen Arbeit und ihrem Bildungsansatz habe die evangelische Schule die Gesellschaft als Ganze im Blick.

Bildung würde an evangelischen Schulen grundsätzlich als kommunikativer Prozess verstanden und nicht als das Einwirken auf einen Menschen. "Die kommunikative Zuwendung zum anderen findet ihre Grundlegung in der christlichen Glaubenserfahrung, dass jeder Mensch von Gott bedingungslos angenommen ist." Evangelische Schulen wiesen mit diesem Verständnis von Wert und Würde des Menschen über die Ebene von Leistung und Können hinaus. Bei allem pädagogischen Bemühen gehe es um eine ganzheitliche Sicht des Menschen und um seine Beziehung zu Gott. Damit laufe evangelische Schule weniger Gefahr, Bildung zu funktionalisieren und auf Wissen zu reduzieren.

Allgemeinbildende evangelische Schulen hätten großen Zulauf, auch dort, wo staatliche Schulen bereits mit Schülerrückgang zu rechnen hätten, betonte Kock. Evangelische Schulen seien ein wesentlicher Teil des öffentlichen Schulwesens: "Evangelische Schule wirkt - zumindest will sie es - mit ihrem Profil immer auch als Impulsgeber für das gesamte Schulsystem. Sie kann anderes wagen und erproben und trägt so zur Weiterentwicklung des Schulwesens bei." Ihren Beitrag zur Bildungsdiskussion leisteten evangelische Schulen, indem sie konkrete Beispiele für eine am Leben orientierte Bildung geben. (Pressestelle der EKD)

Lesen Sie den gesamten Vortrag des ehem. Präses Manfred Kock

 

Bilder aus dem Alltag der
Evangelischen Volksschule Hof

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"Eigenständige Wahrnehmung des Bildungsauftrags durch Evangelische Schulen"/ Von Prof. Dr. Christoph Th. Scheilke, Direktor des Pädagogisch-Theologischen Zentrums Birkach

(...) Bildung ist eine kirchliche Aufgabe sui generis. Sie ist nicht vom Verkündigungsauftrag abgeleitet, sondern ist (siehe Taufbefehl) unmittelbar als (Glaubens-) Lehre erforderlich. „Alle kirchlichen Aufgaben“, so der Tübinger Systematiker Eilert Herms, „sind Variationen der einen Grundaufgabe: Sie sollen (...) den Anspruch des Evangeliums kommunizieren, diejenige Wahrheit über unser Dasein zu sein, die das richtige Leben ermöglicht, das Leben, das zur Seligkeit führt, zum Frieden, zur Erfüllung seiner Bestimmung. (Herms 2002) Weil aber – und solange – das öffentliche Schulwesen nicht die angemessene Bildung für „den gemeinen Hans und die gemeine Grete“ (M. Luther) ermöglicht, solange stellen Schulen in evangelischer Trägerschaft einen wesentlichen Beitrag, aber auch eine zentrale Herausforderung für das öffentlich-staatliche Schulwesen dar. Heute tut zwar der Staat so, als würde er allen Kindern und Jugendlichen die besten Chancen auf eine optimale Bildung eröffnen. Wie PISA, IGLU, TIMSS und die vielen OECD-Studien zeigen, bieten deutsche Schulen jedoch nur eine maximale Ausbildung an. Maximal freilich nicht in pädagogischer Hinsicht. Das Maximum ist durch die öffentlichen Haushalte bestimmt – und entpuppt sich dann häufig als Minimalbildung.

 
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„Die Notwendigkeit Freier Schulen in der Bürgergesellschaft“
Von
 Prof. Dr. Frank-Rüdiger Jach

Wir alle wissen, dass die Freiheit, nichtstaatliche Schulen zu gründen und zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen frei wählen zu können, ebenso zum Kernbestand demokratischer Staaten gehört wie das staatliche Toleranzgebot und das Indoktrinationsverbot. Totalitäre Systeme sind demgegenüber unter anderem daran zu erkennen, dass sie ein staatliches Schulmonopol besitzen und die Prinzipien des gesellschaftlichen Pluralismus ebenso verletzen wie die Achtung der primären Erziehungsverantwortung der Eltern und den Grundsatz der weltanschaulichen Neutralität des Staates.

Insofern ist Schulvielfalt Ausdruck der Menschenwürde und des Rechts auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und kann nur in einer Bürgergesellschaft in der Ablehnung eines kulturellen Universalismus verwirklicht werden. Der demokratische Verfassungsstaat erfährt seine Existenzberechtigung selbst erst aus der Vielschichtigkeit und auch Widersprüchlichkeit individueller Selbstverwirklichung innerhalb unseres Verständnisses von Menschenwürde.

Schulen in freier Trägerschaft sind für pluralistischdemokratische Gemeinwesen in Absage an ein staatliches Schulmonopol seit jeher existenzieller Bestandteil. Ihre Bedeutung wird jedoch im Bildungswesen der Zukunft noch stärker als bisher Ausdruck finden.

 

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"Die Rolle der freien Schulen in Deutschland"
Von
Staatsministerin Karin Wolff, Präsidentin der Kultusministerkonferenz

(...) In Deutschland machen Freie Schulen etwa 6 - 7 % der Schulen aus. In den neuen Ländern sind es weniger. In den europäischen Nachbarländern, wie Frankreich (18 %), Belgien (60 %) oder den Niederlanden (75 %), aber auch im angelsächsischen Raum, liegt ihr Anteil deutlich höher. Der Anteil der Freien Schulen in Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten lässt sich nur historisch begründen, insbesondere mit der besonderen Rolle des Staates bei der Organisation des Schulwesens.

Die Schulen in freier Trägerschaft bereichern unser Schulsystem mit ihrem eigenen pädagogischen Profil. Sie sind gelegentlich ein Stachel im Fleisch der öffentlichen Schulen, aber sie beleben durch Konkurrenz das Geschäft.

Den wichtigsten Beitrag, den die Freien Schulen für das Schulwesen in Deutschland leisten, sehe ich darin, dass sie die Idee der Freiheit im Schulwesen verwirklichen. Der weltanschaulich neutrale Staat verzichtet durch die Zulassung der Freien Schulen als Mischangebote auf eine Monopolstellung und ermöglicht eine plurale Bildungslandschaft. Er sichert den Eltern die Möglichkeit, eine Schule zu wählen, vor allem solchen Eltern, die eine am Bekenntnis orientierte Schulbildung wünschen. Daneben waren und sind Freie Schulen immer auch Reformen in der Pädagogik gegenüber aufgeschlossen und insofern häufig Schrittmacher neuerer Entwicklungen im Schulwesen.

 

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"Zeitgemäße Bildung auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes",
Thesen von Prof. Dr. Wilfried Härle

(...) Das christliche Menschenbild hat für die Bildung des Menschen in mehrfacher Hinsicht weit reichende Konsequenzen:

  • Es verortet den Menschen in einem weiten Horizont und begrenzt ihn damit zugleich auf das Maß des Menschlichen.

  • Es motiviert dazu, groß vom Menschen zu denken, ohne in Hybris zu verfallen.

  • Es zeigt, dass der Mensch mehr ist und zu mehr bestimmt ist, als er selbst aus sich – oder aus anderen – machen kann.

  • Es macht den Wert keines Menschen abhängig von der Leistung, die er erbringt.

  • Es leitet an zum achtungsvollen Umgang miteinander, d. h. zum Respekt vor der Würde jedes Menschen – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion, Alter etc.

  • Es sensibilisiert für die Unterscheidung zwischen der unantastbaren menschlichen Würde und den gleichwohl bestehenden Möglichkeit, durch schweres Versagen diese Würde zu gefährden.

  • Es ermutigt zum Entdecken, Entwickeln und Fördern eigener und fremder Begabungen und weckt so Freude an Leistung und am Gelingen von Lebensentwürfen.

Eine evangelische Schule, die diesen Namen zu recht trägt, muss daran erkennbar sein, dass sie

  • in ihrer konzeptionellen Gestaltung,

  • in ihrer spirituellen Orientierung,

  • in ihren inhaltlichen Schwerpunkten,

  • in der Art des Umgangs mit Scheitern und Krisen sowie

  • in der Atmosphäre der Kommunikation und Kooperation

etwas von diesem christlichen Menschenbild und seinen Konsequenzen erkennen, spüren und erleben lässt.

 

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"Schule in der Bürgergesellschaft – Erziehung zu Toleranz und Engagement",
Thesen von Prof. Dr. Friedrich Schweitzer

(...) Angesichts der für unsere Gegenwart kennzeichnenden gesellschaftlichen, kulturellen, weltanschaulichen und religiösen Pluralität und Individualisierung muss Toleranz gegenüber Relativismus abgegrenzt und Engagement im Sinne von Solidarität präzisiert werden. Toleranz als Erziehungs- und Bildungsziel meint nicht Beliebigkeit oder Gleichgültigkeit, sondern reflektierte Pluralitätsfähigkeit. Im christlichen Verständnis erwächst aus der Pluralität die Aufgabe der Verständigung, die ihrerseits im Horizont sozialer Verantwortung wahrzunehmen ist.

Die gesellschaftliche Individualisierung, die inzwischen auch das Kindes- und Jugendalter erfasst hat, lässt das Bemühen um Solidarität immer wichtiger werden. Individualisierung bezeichnet kein unüberwindbares Hindernis für solidarische Einstellungen und Handlungsweisen. Sie macht jedoch Lernangebote erforderlich, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Selbstverwirklichung und Engagement für andere ermöglichen.

 

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Zahlen und Statistik der Freien Evangelischen Schulen

Schulart Anzahl der Schulen Anzahl der Schüler/innen
allgemein bildende Schulen  282  80.000
sonderpädagogische Schulen  216  26.000

berufsbezogene Schulen

 462

 35.000
Gesamt  960 141.000

Freie Evangelische Schulen machen nur einen kleinen Teil der Bildungsarbeit der Evangelischen Kirchen in Deutschland aus. So wurden allein in Bayern im Jahr 2003 von kirchlichen und staatlichen Lehrkräften, die die Berechtigung zum Erteilen des Religionsunterrichts haben, wöchentlich 404.800 SchülerInnen unterrichtet. 33.000 konfessionslose SchülerInnen nahmen auf Antrag lieber am Evangelischen Religionsunterricht, als am Ethikunterricht teil. Grundsätzlich gilt: Der Religionsunterricht wird nach Maßgabe der Religionsgemeinschaften erteilt; d.h. nur solche (staatlichen und kirchlichen) Lehrkräfte dürfen Religionsunterricht erteilen, die die von der Religionsgemeinschaft erteilte Berechtigung (Vocatio) haben.

 

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Hintergründe und Links

Evangelische Schulen (Beispiele)

Freie Evangelische Schulen im Landkreis Hof

Schulen

Denkschriften

Bildungskonzept der ELKB

 

Hier finden Sie aktuelle Nachrichten von der Evangelischen Volksschule. Regelmäßige Berichte bietet der Hospitalbrief ab Dezember 2004

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