14.06.2020 - „Am Segen ist’s gelegen!“ - 4. Mose 6, 22-27 1. So. n. Trinitatis

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Das Predigtwort für den heutigen Sonntag steht im 4. Buch Mose im 6. Kapitel und ist ein sehr bekanntes Wort aus unserem Gottesdienst:

Und der HERR redete zu Mose und sprach: Rede zu Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Kindern Israels, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Denn ihr sollt meinen Namen auf die Kinder Israels legen, dass ich sie segne.
Liebe Gemeinde, ein „gesegnetes Leben“ haben - wer von uns wünscht sich das nicht? Ein „gesegnetes Leben“ - Ein Leben, das erfüllt ist, ein Leben, das wertvoll ist, das Sinn und Ziel hat, das sich lohnt zu leben. Familie, Frau und Kinder, ein schöner Beruf, ein Haus mit Garten, spannende Hobbys, - dies alles kann ein Leben ausfüllen.
Aber ist es dann gleich ein erfülltes Leben?
Ein Lied der Gruppe Waldschraat, die den jüngeren unter uns vielleicht ein Begriff ist, hat diese Art von sinnerfülltem Leben einmal durch den Kakao gezogen. Für alle Nicht-Münchberger unter uns sei angemerkt, dass die „Hintera-Höh“ ein Neubaugebiet ist.
A Haisla in der Hintern Höh,
in der Doppelgarage steht der BMW
A paar g’scheita Gunga obber höchstens zwaa
Derzu an Katzergrippl und a scheena Fraa.

Hinter diesem witzigen Calypso-Song steht eine ernst zu nehmende Frage:
Ist das alles, was wir uns vom Leben erhoffen?
Und für uns Christen heißt das weitergedacht: Woran hängen wir unser Herz?
Welchen Stellenwert haben all diese weltlichen Dinge in unserem Leben? Ordnen wir sie vor oder hinter Gott ein, vor oder hinter seinem Wort, vor oder hinter unserem Gebet, vor oder hinter unserem Nächsten? Sehen wir diese Dinge überhaupt als Segen Gottes?

Liebe Gemeinde,
wenn Gott segnet, dann hängt alles Leben davon ab. Gott hat die Welt geschaffen. Er hat sie gesegnet, als er sie mit Leben füllte.
Gottes Segen ist der Ursprung allen Lebens.
Das gilt es zunächst zu entdecken: Gottes Segen gerade in der Welt.
Gottes Segen in seiner Erde, wenn sich Sonne und Regen so abwechseln, dass die Pflanzen gut und schön wachsen. Gottes Segen in seinen Tieren, wenn sie ausreichend Nahrung und Lebensraum haben. Gottes Segen in seinen Menschen, wenn sie nicht hungern müssen, wenn sie Kleidung und Bildung haben, oder auch, wenn Kinder und Enkel da sind, die Freude und Halt schenken. Gottes Segen - das sind zunächst die ganz alltäglichen Dinge.
Gottes Segen, das ist so natürlich und normal, dass wir ihn leicht übersehen oder vergessen können. Und weil Natürliches so selbstverständlich für uns ist, achten wir oft nicht darauf.
Gottes Segen in den alltäglichen ganz normalen Dingen zu entdecken ist wichtig.
Dadurch verändert sich unsere Sicht der Dinge. Gottes Segen macht aus dem vorher Normalen auf einmal etwas Besonderes, weil der Segen Gottes darauf liegt.
Wir interessieren uns doch vor allem für das Besondere.
Das Normale lässt uns dagegen oft kalt. Wer macht sich schon noch groß Gedanken darüber, wie kostbar ein Stück Brot ist? Woher es kommt, welcher Aufwand nötig ist, um solch ein Stück Brot herzustellen. Viel wichtiger scheint es doch zu sein, die richtige Wahl zu treffen aus unzähligen Brotsorten. Man will ja schließlich nicht immer das Gleiche essen.
Es muss immer etwas Besonderes sein, sonst könnte es ja langweilig werden.
Dem Besonderen gilt unsere Aufmerksamkeit, nicht so sehr dem Alltäglichen und Normalen. Das Besondere achten wir - das Alltägliche und Normale nehmen wir einfach so mit, ohne groß darüber nachzudenken. Für uns hier in Deutschland ist ja auch meist genug da!
Wir stehen dadurch in einer großen Gefahr: Wir sehen nur noch den Segen aber nicht mehr den, der segnet.
Wir nehmen den Reichtum, der uns geschenkt ist als selbstverständlich hin, ja haben dazu die Frechheit immer mehr zu verlangen.
Wir übersehen Gott, die Quelle allen Segens. Wir übersehen auch das Maß, das er setzt.

Wozu das führen kann, ist erschreckend. Menschen sind in der Lage, aus Gottes Segen einen Fluch zu machen:
wenn wir die Erde und die Lebewesen auf ihr aus Gier und Gewinnsucht ausbeuten, wenn wir verschmutzen und sinnlos zerstören; wenn wir Menschen uns gegenseitig bekriegen, oder wenn wir Reichtümer um uns anhäufen, die uns den Blick auf den Nächsten versperren. Auch in Technik und Wissenschaft stellt sich diese Frage: Ist alles ethisch-moralisch zu vertreten, was der Mensch und die Maschinen hier leisten können?
Sind überhaupt noch bereit, die von Gott gesetzten Grenzen zu akzeptieren?
Wir dürfen uns nicht selbst zu Gott machen wollen – auch nicht mit der Ausrede alles „zum Wohle der Menschheit“ zu tun!

Wenn wir uns als Geschöpf zum Schöpfer machen wollen, dann kann aus dem Segen leicht ein Fluch werden.
Es ist deshalb ein Fluch, weil wir uns und unser Leben damit letztendlich selbst gefährden. Wenn wir Gott ausklammern und vergessen wollen, dann bekommen wir es mit uns selbst zu tun!
Jeder von uns weiß: Gott und seinen Segen in unserem Leben zu entdecken, ist leichter gesagt, als getan.
Unser Alltag deckt uns zu. Der Blick für den Segen Gottes haben wir dann nicht. Keine Zeit, keine Muße – nur Hektik und Pflichterfüllung. Alltag heißt nicht umsonst „All-Tag“. Alle Tage dasselbe. Alle Tage der gleiche Lebensrhythmus: Aufstehen, Dusche, Frühstück, Arbeit oder Schule, Freizeit, Schlafengehen. Alle Tage. Dieser Gleichtakt kann uns leicht einlullen. Oder er kann uns auslaugen. Wir sind gefordert in allen Lebenslagen, haben unsere Leistung zu erbringen. Viele erwartungsvolle Blicke sind auf uns gerichtet, die wir nicht enttäuschen wollen oder können. Wie sollen wir da Gottes Segen entdecken? Und damit das Besondere in unserem Leben?
„Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden“.
Gott lässt uns dies ausrichten. Denn er kennt uns Menschen und weiß, dass uns der Blick für den Wert des Normalen und Alltäglichen oft fehlt. Der Blick für Gott selbst, der uns segnet.
Deshalb sagt er nicht einfach: „Mensch, schau dich doch nur genau um. Dann wirst du meinen Segen für dein Leben schon entdecken.“
Er gibt vielmehr einen Auftrag: Damals sollen Mose und Aaron Gottes Segen weitergeben. Sie sollen den Menschen von Gott ausrichten, dass er bei ihnen ist. Er hat sie aus der Sklaverei Ägyptens geführt und sie in der Wüste mit allem Lebensnotwendigen gesegnet. Gott wird auch weiterhin bei ihnen sein und sie segnen.
Dabei lässt Gott jedoch keinen Zweifel darüber offen, wer segnet. Gleich dreimal steht da „der HERR“. Er allein kann Segen geben, weil er allein Quelle des Lebens ist. Deshalb ist dieser Segen auch als Wunsch formuliert. „Der HERR segne euch“ - heißt es da, nicht: segnet euch!
Wir Menschen können den Segen nicht selbst herstellen. Nicht einmal solche gewaltigen Glaubenszeugen wie Mose und Aaron, die von Gott besonders auserwählt waren. Wir Menschen können nur den Segen weitergeben, den wir von Gott empfangen haben.
Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Damit tritt Gott mit uns in eine persönliche Beziehung, von Angesicht zu Angesicht.
Wir segnen in seinem Namen und mit seinem Namen. Damit wird Gott konkret. Wo Martin Luther mit „der HERR“ übersetzt hat, steht im hebräischen Urtext der Gottesname „Jahwe“.
Doch Gott hat nicht nur einen Namen, sondern auch ein Angesicht, von dem in unserem Predigtwort gleich zweimal die Rede ist.
Name und Angesicht: Beides genügt, um eine Person zu kennzeichnen. Name und Gesicht bleiben uns am ehesten im Gedächtnis haften - vorausgesetzt natürlich, man kann sich beides merken.
Wenn sich Gott nun beim Namen nennen und ins Angesicht blicken lässt, dann heißt das: er ist ein lebendiges, persönliches Gegenüber.
Ich darf Gott ins Angesicht schauen.
Was heißt das für uns? Das Angesicht eines Menschen galt in der jüdischen Weisheit als „Spiegel der Seele“. Das heißt, am Gesichtsausdruck lässt sich ablesen wie es in unserem Inneren aussieht - von Schauspielern natürlich abgesehen.
Gott lässt sich ins Angesicht blicken, er schauspielert nicht, das hat er gar nicht nötig. Wie schaut nun Gottes Gesicht aus?
Es leuchtet über mir. Ein leuchtendes, ein strahlendes Angesicht sagt mir: „Du bist mir willkommen. Ich meine es gut mit dir. Ich bin dir wohlgesinnt. Ich will mein Angesicht leuchten lassen über dir, wie die Sonne, die die Nacht vertreibt und den Tag erhellt.“
Gottes Angesicht erhebt sich auf mich. Das will mir sagen: „Ich sehe dich mit Liebe an und möchte dir alles geben, was du zum Leben brauchst. Du bist mir wichtig. Du bist etwas Besonderes für mich.“
Damals hat Gott Mose und Aaron beauftragt, jedem seiner Kinder auszurichten: 2Der HERR segne dich und behüte dich.“
Auch heute noch tun wir dies noch. Aber meist nur am Ende unserer Gottesdienste.
„Der HERR segne dich und behüte dich“ - das ist ein kostbarer Wunsch für unser Leben, nicht nur bevor wir aus der Kirche fortgehen.
Unser ganzes Leben soll gesegnet sein.
Wenn wir uns begegnen, oder wenn wir uns voneinander verabschieden, dann dürfen und sollen wir uns in Gottes Namen das Beste wünschen. Geben wir als Gesegnete den Segen weiter und versichern einander:
Du bist etwas Besonderes für Gott, weil er dich zu etwas Besonderem gemacht hat. Gott will bei dir sein auch in der Hektik deines Alltags. Freue dich an dem, was Gott dir geschenkt hat. Ich wünsche dir, bis wir uns wiedersehen, dass Gottes Angesicht genauso hell über dir strahlt, wie über mir. Ich wünsche dir ein gesegnetes Leben. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.  
Liturgische Texte
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1. Sonntag nach Trinitatis

Wochenspruch
Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der erachtet mich. (Lukas 10,16a)

Eingangsgebet
Du treuer Gott, an deiner Seite lässt es sich gut leben.
An deine Seite gehören wir, seit du uns zu deinen Kindern gemacht hast.
An deiner Seite gehen wir durch das Hohe und das Tiefe, mit dir an unserer Seite lässt es sich gut leben, lieben, lachen.
Wir wollen an deiner Seite bleiben, treuer Gott, verhilf uns dazu durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen.

Fürbittengebet
Barmherziger Gott,
unser Herz ist voll:
Voller Sorge um unser Leben; um unsere Zukunft; um unsere Welt.

Wir bitten dich für unser Leben, dass es gelingen möge;
dass wir unseren Weg aufrichtig gehen können;
dass wir die sehen, die unsere Hilfe brauchen.

Wir bitten dich um eine lebenswerte Zukunft,
dass wir und unsere Kinder und Kindeskinder das Morgenlicht erblicken
und dass wir uns freuen können auf den neuen Tag.

Wir bitten dich für diese Welt,
dass Hunger gestillt wird;
dass Recht vor Macht siegt;
dass Trauer verwandelt wird in einen Reigen.

Wir bitten dich durch Jesus Christus, unseren Herrn, höre unser Rufen.
Amen.