05.04.2026 - „Nur die Liebe kann die Auferstehung glauben“ - Predigt zu 1 Kor 15,12.20-28 am Ostersonntag (Pfrin. Sr. Elise Stawenow)

Liebe Gemeinde! 

Glauben Sie an die Auferstehung der Toten?

Wir bekennen die Auferstehung der Toten in jedem Gottesdienst im Glaubensbekenntnis. Aber so einfach ist das nicht. Einer Umfrage (Meinungsforschungsinstitut Allensbach, 2025) zufolge, glauben über 80% aller Menschen über 16 Jahren in Deutschland nicht an eine Auferstehung.


„Was danach kommt? – Das Nichts.“ – „Ich glaube nicht an Auferstehung, wie soll das sein?“ „Wir sind Materie, die in dem Kreislauf des Lebens aufgeht.“
So einige Antworten, die ich in Gesprächen höre. Es ist schwierig für mich, da in die Diskussion eizusteigen. Ich habe keine Fakten.


Paulus stand vor einem ähnlichen Problem. Die Gemeinde der Korinther, in die er seine Kraft gesteckt hat, zerfällt in Parteien und Streitigkeiten. Leider ist er die lange Zeit auf Reisen, und Paulus wird einiges zugetragen. Er schreibt einen langen Brief. Kurz vor Ende seines 1. Briefes an die Korinther macht er ein das große Thema auf.
„Wenn aber Christus gepredigt wird, dass von den Toten auferweckt ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten?“ 1Kor 15,12

Offensichtlich ist das keine moderne Frage. Paulus hält sich nicht bei Hypothesen oder Studien auf. Er argumentiert klar: Wer sagt, es gibt keine Auferstehung der Toten, für den ist die gesamte christliche Botschaft hinfällig. Der Predigttext gehört mit zu der Argumentationskette, die das ganze 15. Kapitel durchzieht.

Die Auferstehung ist das Vorzeichen der neuen Weltordnung Jesu – der Sieg über den Tod und alle Gewalt. Sei steht in einer Ordnung. Hören wir, was Paulus schreibt:

Ich lese den Predigttext aus dem 1. Korintherbrief im 15. Kapitel:
20Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 21Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 22Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. 23Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird; 24danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt.

25Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« Ps 110,1. 26Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. 27Denn »alles hat er unter seine Füße getan« Ps 8,7. Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. 28Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.

 

Es kommt alles wieder in die „richtige Ordnung“ möchte ich zusammenfassen.
Zuerst wird Christus auferstehen, dann alle die zu ihm gehören, dann „das Ende“ -  alle?. Und Gott regiert.

 

Doch warum kommt diese Weltordnung nicht ohne Unterdrückung aus?

Paulus nutzt die Vokabeln der Herrschaft. Dann wird Christus „herrschen“ und „unter seine Füße legen“ alles, was vernichtet. Gewaltvolle Worte. Sie spiegeln menschliche Erfahrung wider.

Mir geht ein Elterngespräch in der Schule nach. Wir behandelten die Geschichte von Mose, die Plagen und den Auszug aus Ägypten. Schilderung von Gewalt und Vernichtung von Leben. Gehört das in den Reli-Unterricht?

Die Bibel spricht in den Bildern der Realität. Den „Herren der Welt“ setzt Gott seine Herrschaft entgegen. Er tötet – für das Recht und die Entrechteten. Aber heiligt das Ziel die Mittel?

Wir dachten, wir könnten mit Aufklärung, Humanismus und Menschenrechten das Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ und „Der Stärkere hat Recht“ auszurotten. Es funktioniert nicht. Die Weltpolitik zeigt es deutlich.

 

Wir Menschen können nur so von Gott denken, wie wir selbst sind und ticken.
Einen Schuldigen finden. Adam.
Einen Retterfigur haben: Christus.
Im Kampf leben. Bis das Gute siegt.
Das sind menschliche Bilder. Aber dann hört die Vorstellung auf.
Wie wird es sein, wenn es keine Feinde mehr gibt? Wenn der Tod und alle Gewalt besiegt ist? Wie wird Gott „herrschen“wenn er gar nicht mehr „herrschen“ muss? Was ist Macht, wenn es keinen Machtkampf mehr gibt?

Paulus selbst bekennt in Röm 8: „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten… mich scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist…“

Die Auferstehung Jesu ist das Vorzeichen, das die neue Weltordnung installiert.
Aber die Liebe Gottes ist der Inhalt der neuen Weltordnung.

 

 

Glauben Sie an die Auferstehung der Toten?
Ich darf immer wieder mit Menschen unterwegs sein, die eine schockierende Erfahrung des Todes gemacht haben. Ein lieber Mensch ist verstorben.
Plötzlich ist ihre Welt eine andere. Wo ist die geliebte Person hin? Das kann doch nicht alles gewesen sein!
Menschen, die mir vorher erzählt haben, dass es nach dem Tod nichts gibt, stellen sich jetzt vor, dass der Onkel ein Engel ist, der die Nichte beim schnellen Motorradfahren beschützt. Sehen in der Amsel, die morgens ans Fenster kommt, einen Gruß des verstorbenen Ehemanns. Sie schämen sich nicht selten dafür, schließlich sind diese Vorstellungen absolut irrational.
Sie sagen mir selber: „Bin ich verrückt? Das darf ich doch niemanden erzählen.“ – „Aber ich weiß, es kann doch nicht alles aus sein.“

Der Auferstehungsglaube ist und bleibt irrational. Da helfen meiner Meinung nach auch hochtrabende Paulus-Argumentationen nicht.
In Erich-Emanuel Schmitts Roman „Das Evangelium nach Pilatus“ kann man mitverfolgen, wie Pilatus versucht, das Verschwinden des Leichnams Jesu wie einen Krimi zu lösen. Rational. Doch immer, kurz bevor das Rätsel auflösen kann, entwischt Jesus ihm. Schließlich entschwindet auch seine Frau, die sich der Jüngerbewegung um den Auferstandenen angeschlossen hat. Auf der Suche nach ihr, trifft er Menschen, die durch Jesu Liebe verändert wurden. So ahnt Pilatus nach und nach, dass es den Jüngern nicht um einen toten Jesus im Grab geht, sondern dass Auferstehung mehr ist: „Unsere Welt wird durch die Liebe Gottes verwandelt“ sagt der Autor Eric-Emanuel Schmitt.
Die Liebe ist der Zugang zur Auferstehung.

Der Philosph Ludwig Wittgenstein meint in einer Aphorismen-Sammlung: Nur die Liebe kann die Auferstehung glauben. Er - ein Mensch des hochintellektuellen Denkens – sagt, der „spekulative Verstand“ brauche keine Auferstehung, aber das Herz habe den Auferstehungsglauben so nötig.

Genau das zeigen die Extremsituationen. Wenn „verständige“ Menschen beginnen, symbolhaft-archaische Bilderwelten zu imaginieren. Es ist die Liebe, die sie plötzlich mit der Auferstehungshoffnung verbindet.
Im christlichen Glauben ist Liebe mehr als ein Gefühl, was sich aufbläst und ebenso schnell verschwindet.

Liebe ist die bedingungslose Zuwendung Gottes zu jedem Menschen. Sein JA als Vater und Mutter. Seine Hingabe, die das Leiden nicht scheut. Sie gilt. Und findet ihren Höhepunkt in der Auferstehung, die uns alle ins Leben ziehen will.

 

„Also hat Gott die Welt geliebt, damit alle, die an ihn Glauben, das ewige Leben haben.“ Joh 3,16
Mit dem Prinzip „Liebe“ richtet Gott eine neue Weltordnung auf. Auch wenn wir sie uns nur unter menschlichen Vorzeichen vorstellen können.
Uns bleibt, der Auferstehung Jesu Christi zu trauen – als Sache des Herzens, nicht des Verstandes.
Und uns mit Jesu Liebe zu verbinden. Die Liebe ist die Herrschaft Gottes, die alle gewaltvollen menschlichen Vorstellungen vom Kampf der Mächte und Befreiung aus der Hölle übersteigt.

Wie, denken Sie, sieht die Auferstehung aus?


Ich möchte schließen mit einem meditativen Gedicht.

Denn die persönliche Antwort von Marie-Luise Kaschnitz  berührt mich. Sie zeichnet Bilder der Liebe, die zart sind, aber klar. Marie-Luise Kaschnitz hat jahrelang um ihren Mann getrauert. Zwei Jahre vor ihrem eigenen Tod schreibt sie dieses Gedicht. Es trägt den Titel: „Ein Leben nach dem Tode“.

Abzurufen auf: https://www.deutschelyrik.de/ein-leben-nach-dem-tode.html, abgerufen am 03.04.2026

Amen.